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Ich habe euch letztens von meiner kleinen Patientin berichtet, bei der wir das Trinken mit dem Becher ĂŒben wollen. ZusĂ€tzlich haben die Mama und ich noch eine andere Flasche bestellt. Bei dieser besonderen Flasche kann man die FlĂŒssigkeit vorne herausdrĂŒcken. Die Milch sammelt sich am vorderen Teil der Flasche, so dass der SĂ€ugling sie ĂŒber die Lippen abnehmen kann. Diese kann man nutzen, wenn die Kleinen nicht in der Lage sind zu saugen. Einige von euch wissen vielleicht, welchen Sauger ich meine. Da ich hier aber keine Werbung machen möchte, lasse ich den Namen einfach weg.

Ich wollte nicht sofort in den Mund der Kleinen gehen und eine Saugstimulation starten. Durch ihren schweren Start ins Leben, auf Grund ihrer FrĂŒhgeburt, einer Herzoperation und der TrinkschwĂ€che, ist die Patientin wahrscheinlich sehr traumatisiert. ZusĂ€tzlichen Stress und eine eventuelle Überreizung wollte ich gerne vermeiden. Deswegen ĂŒberlegte ich, wie ich die Ă€ußeren UmstĂ€nde anpassen könnte. Also entschied ich mich, vorerst vom ĂŒblichen Sauger weg zu gehen und auf andere Hilfsmittel zu zugreifen (wie Trinkbecher oder eine andere Art von Saugflasche). Solche hatten wir ausfĂŒhrlich in meinem letzten Modul meiner Weiterbildung besprochen.

Passend zum nĂ€chsten Termin erhielt die Mutter den anderen Sauger und den Trinkbecher. Wir entschieden uns erst einmal dazu die Flasche auszuprobieren. Ich durfte mal wieder lernen, auch noch nach neun Jahren Berufserfahrung, dass es nicht immer, wie im Kopf geplant ablĂ€uft. Zu oft reagiert der Patient anders, als vorgestellt. Diese Erkenntnis haben wohl schon einige Therapeuten erfahren dĂŒrfen. Schon oft musste ich flexibel sein und komplette PlĂ€ne spontan umschmeißen oder anpassen. Ich wĂŒrde von mir behaupten, dass ich diese FlexibilitĂ€t relativ gut umsetzen kann. Gerade in der Therapie mit SĂ€uglingen muss ich diese FĂ€higkeit mit Sicherheit noch hĂ€ufiger einsetzen. An dem besagten Tag hatte ich das jedoch nicht im Hinterkopf und somit auch nicht darauf vorbereitet. In dieser Therapie lief leider nichts nach Plan.

Ich war in voller Vorfreude auf die Therapieeinheit und auf die Trinkversuche. Die ersten Tropfen Milch probierte das MĂ€dchen dann auch. Sie wurde aber sehr schnell unruhig, bewegte sich viel, streckte sich und weinte schließlich. Da die Mama den neuen Sauger nicht kannte, wollte ich den ersten Versuch starten. Wahrscheinlich bemerkte das Kind meine Unsicherheit, die mich umtrieb. Es war mal wieder ein Moment indem ich die Theorie praktisch umsetzen wollte. Tja, leider gelang dies nicht so, wie ich mir das vorstellte. ZunĂ€chst versuchten wir, die Kleine zu beruhigen. Im spĂ€teren Versuch nahm sie von der Mama auch nichts mehr ab. Den kleinen Becher gab ich ihnen mit nach Hause. Außerdem zeigte ich der Mama, wie sie ihr Kind in der Seitenlage fĂŒttern kann. Nun muss ich mich darauf verlassen, dass sie es zu Hause ohne meinem Beisein probiert. An dem Tag war die Kleine sehr mĂŒde. Nachdem die Mama sie im Tragesystem hatte, ist sie sofort eingeschlafen. Trinkversuche sollten bei genĂŒgend Wachheit erfolgen. Leider ist niemand auf Knopfdruck wach und fit und schon gar nicht ein fĂŒnf Monate altes Baby. Dieser Punkt war mir nun auch klar. Wir versuchen es in der nĂ€chsten Woche erneut. Wachheit war bei meinen anderen Therapiekindern sonst weniger ein Thema, so dass ich dies bei der Terminplanung nicht bedachte. Kinder ĂŒber drei Jahren schlafen meistens mittags und nicht mehrmals mitten am Tag. An gehĂ€ufte Schlafphasen von SĂ€uglingen muss ich mich wohl erst noch gewöhnen und mich besser darauf einstellen.

Eure Isabelle