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Gelerntes Anwenden

Letztes Wochenende durfte ich am Freitag und Samstag neues Wissen über das Essen von Breikost und fester Kost von Säuglingen von fünf Monaten bis ins Kleinkindalter von zwei Jahren erlangen.

Inhalte waren zunächst die Physiologie der genannten Alterspanne sowie Diagnose und Therapie bei Fütterstörungen. Diesen sehnte ich schon einigen Wochen entgegen, da ich gerade einen kleinen
Säugling von circa sieben Monaten (korrigiert, das heißt, als Frühchen geboren und ab errechneten
Geburtstermin gezählt) therapiere. Nicht immer ist es einfach, die Theorie sofort in der Praxis
umzusetzen. Schon seit einiger Zeit wird dem Säugling Breikost angeboten. Es stellten sich Fragen
zum Anreichen, Positionieren und zu den Mengen. Endlich konnte ich diese Woche Antworten auf
die Unsicherheiten des Pflegeteams und der Kindesmutter geben. Bisher waren die Ratschläge der
Fachbücher entnommen, die ich mir nach und nach kaufte. In der Fortbildung jedoch, wurde durch
Videobeispiele von Fütterdituationen und die Selbstversuche beim Füttern deutlich, worauf bei der
Gabe der Breikost geachtet werden muss. So konnte ich selbst fühlen, wie unangenehm ein
abgestrichener Löffel am Gaumen und der Oberlippe sich anfühlt. Noch Minuten später, konnte ich
Missempfindungen feststellen. Auch ein schwebender Löffel im Mundraum ist merkwürdig und
fordert auf keinen Fall zum Schließen des Mundes auf. Ebenso ist es sehr verwirrend, wenn ein
angeblich fliegender Löffel einem vor dem Gesicht hin und her geschwenkt wird. Aus dem

Blickwinkel eines Säuglings sind dies zu starke oder zu schwache Reize, die das Abnehmen der
Nahrung oder das erneute Öffnen des Mundes nicht fördern. Genau an diese Situationen musste ich
denken, als ich wieder in der Behandlung war. Mit gutem Gewissen konnte ich Hinweise geben, auf
die beim Anreichen von Brei geachtet werden sollte.
Bei Fütterstörungen ist es sehr wichtig, dass gewisse Regeln eingehalten werden. Diese wurden auf
der Fortbildung genannt und erläutert. Einige waren für mich selbstverständlich, andere erbrachten
einen „aha“-Effekt. In den kommenden Tagen, werde ich versuchen diese Regeln mit Eltern zu
besprechen und sie zur Umsetzung zu motivieren. So ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass mit dem
füttergestörten Kind mindestens einmal gemeinsam gegessen wird, es selbstständiges Handeln
erlernt und Mahlzeitpausen eingehalten werden. Letzteres ist besonders wichtig, damit ein
Hungergefühl entstehen kann. Auch die ganz Kleinen müssen das schon lernen. Da der sieben
Monate alte Säugling gerade nicht genug zunimmt, steht der Druck im Raum, die angegebene
Menge der Ärztin zu schaffen. Daher füttert das Pflegepersonal teilweise Milchmahlzeiten zu, wenn
eigentlich eine Pause sein sollte. So stand für mich ein Gespräch mit der Pflegeleitung im
Vordergrund. Ich war erleichtert, dass sie meiner Meinung war. Ein erneutes Teamgespräch des
Pflegepersonals soll nun dafür sorgen, dass diese kleine, aber sehr ausschlaggebende Maßnahme
umgesetzt wird. Letzte Woche war mir die Bedeutung der Einhaltung solcher noch nicht so klar.
Eventuell wäre daher mein Blick darauf, nicht so geschärft gewesen.

Da ich Inhalte aus den letzten Modulen der Fortbildung sofort umsetzen konnte, bin ich schon jetzt
auf kommendes Modul im September gespannt. Ebenfalls werde ich mich wieder mit den anderen
Kolleginnen austauschen können, worauf ich mich schon sehr freue. Zunächst nutzte ich den
Austausch mit internen Kollegen. Für ein sicheres Aufnehmen von Nahrung und ein
physiologisches Schlucken, sind posturale Kontrolle und angemessene Sitzposition wichitge
Voraussetzungen. Doch was soll ich tun, wenn ein Kind an Muskeldystrophie erkrankt ist und die
Grundposition stets die Rückenlage ist? Unser erfahrener Physiotherapeut wird mich in der
nächsten Therapieeinheit unterstützen. Nach Begutachtung des kleinen Patienten, wird er mir
Hinweise geben, oben genanntes zu evozieren. Ich bin sehr gespannt auf den Austausch und freue
mich darauf beim nächsten Mal davon zu berichten.